Eurocup-/EuroChallenge-Vorschau: 6. Spieltag
Am letzten Spieltag der Last16-Runden in Eurocup und EuroChallenge (Dienstag, 9. März) richtet sich der Fokus aus deutscher Sicht auf ALBA Berlin (im Eurocup) und die Artland Dragons (EuroChallenge). Beide Clubs stehen in Badalona und Zagreb vor schweren Auswärtsaufgaben, in denen jedoch ein sehr hoher Lohn winkt:
ALBA wäre im 2002 (zunächst als „ULEB Cup“) gegründeten neuen zweithöchsten europäischen Wettbewerb das erste deutsche Team, dem ein solcher Einzug ins Viertelfinale gelingt. Die Artland Dragons wären nach RheinEnergie Köln (2006), den Telekom Baskets Bonn (2009) und der BG Göttingen (2010) der vierte deutsche Viertelfinalist in der Geschichte dieses ebenfalls seit 2002 - unter den zwischenzeitlich etwas verwirrenden wechselnden Bezeichnungen „FIBA Europe Champions Cup“ (2002/2003), „FIBA Europe League“ (2003 – 2005) und „EuroCup“ (2006 – 2008) – organisierten dritten europäischen Wettbewerbs.
Eurocup: „Do or Die“ für ALBA Berlin in Badalona
Bundesliga-Tabellenführer ALBA Berlin muss sich in der Gruppe I des Eurocups vor dem Gastspiel am Dienstag (20:30 Uhr) in Badalona zumindest nicht mit Rechenspielen beschäftigen: Mit einem Sieg bei Joventut Badalona ziehen die Berliner ohne wenn und aber ins Viertelfinale ein. Mit einer Niederlage scheidet das Team von Trainer Luka Pavicevic unweigerlich aus. Mut macht den im Hinspiel 72:68 siegreichen Berlinern, dass sie in der letzten Saison in einer ähnlichen „Do-or-Die“-Situation mit einem Sieg in Badalona den Einzug in die TOP16 der Euroleague perfekt gemacht haben. Eher skeptisch macht hingegen, dass die ALBA zuletzt in der Beko BBL unübersehbare Schwächen zeigte. Aber auch Joventut Badalona agierte zuletzt alles andere als überzeugend. Mit acht Niederlagen in Folge sind die Katalanen in der spanischen ACB vom fünften auf den elften Tabellenplatz abgestürzt, im Eurocup gab es in der letzten Woche eine schallende 54:84-Pleite bei Aris Saloniki, worauf hin der junge Trainer Sito Alonso seinen Hut nehmen durfte. Am Dienstag wird erstmals der 52-jährige ehemalige spanische Nationaltrainer „Pepu“ Hernandez bei Joventut Regie führen, der Spanien 2006 zum WM-Titel und 2007 ins EM-Finale führte.
Vorher gab es am Wochenende mit 79:104 beim Zweiten Caja Laboral Vitoria die nächste Niederlage, bei der Joventut vor allem in der Defensive große Schwächen offenbarte. Topscorer für Joventut waren am Ende mit 12 bzw. 11 Zählern die 20-jährige Nachwuchshoffnung Pere Tomas und der 22-jährige holländische Center Henk Norel. Auch der 19-jährige Spielmacher Josep Franch überzeugte mit 7 Punkten und 5 Assists, während die vermeintlichen Stars im Team, Kristaps Valters (8) und Luka Bogdanovic (5) unauffällig blieben. Neben dem nach wie vor verletzten serbische Nationalspieler Uros Tripkovic (Comeback am Dienstag?) fehlte Joventut auch US-Topscorer Clay Tucker, der mit Erlaubnis des Clubs am Mittwoch für vier Tage in die Heimat geflogen war, um dort der Geburt seines ersten Sohnes beizuwohnen. Als Gegenleistung für diese großzügige Geste erwartet Joventut jetzt am Dienstag sicher eine besonders konzentrierte Leistung seines aus allen Lagen korbgefährlichen US-Forwards (15 Punkte im Hinspiel in Berlin).
Für den zweiten deutschen Vertreter, die Brose Baskets Bamberg, heißt es unterdessen ab 20 Uhr in Treviso auf jeden Fall Abschied zu nehmen von der europäischen Saison. Auch der Gegner Benetton Treviso hat am letzten Spieltag in der Gruppe K keine Chance mehr, die nächste Runde zu erreichen, so dass beide Trainer die Chancen nutzen werden, mit Blick auf die nächsten nationalen Aufgaben das eine oder andere auszuprobieren. Benetton rutschte am Wochenende in der italienischen Liga mit einer69:79-Niederlage beim Dritten Montegranaro auf den neunten Tabellenplatz ab und muss deshalb um seine Playoff-Teilnahme zittern. Bamberg siegte im Hinspiel 73:63, kann sich also eine Niederlage bis zu neun Punkten erlauben, um trotzdem den - allerdings wertlosen – dritten Platz zu behaupten.
EuroChallenge: Große Chancen für die Artland Dragons
Auch die Artland Dragons treffen in der Gruppe J am Dienstag (18 Uhr) auf einen geschwächten Gegner. Das ohnehin schon durch den Ausfall seiner routinierten Spielmacher Damir Mulaomerovic und Vladimir Krstic geschwächte KK Zagreb zahlte in der letzten Woche mit einer weiteren Verletzung eines Stammspielers (Damir Miljkovic) einen hohen Preis für den 74:63-Überraschungssieg bei FMP Zeleznik. Nachdem di Mannschaft zum Wochenende auch noch von einer Grippewelle heimgesucht wurde, versuchte die Vereinsführung des Sechsten der Adria-Liga, das Heimspiel gegen Cibona Zagreb auszusetzen, was aber am Widerstand der Liga-Führung scheiterte. Immerhin verzichtete Cibona darauf, den geschwächten Gegner im Derby zu demütigen und begnügte sich den ungefährdeten 87:76 nach Hause zu schaukeln. Im letzten Zagreber Aufgebot übernahm der auch schon im Hinspiel in Quakenbrück mit 16 Punkten und 13 Rebounds überragende Allrounder Krunoslav Simon mit 23 Punkten und 5 Assists den Spielaufbau. Auch die Forwards Pankracije Barac (10) und Ante Masic (9), Power Forward Ante Stimac (7) und Center Luka Zoric (26) spielten praktisch durch. Bis zum Dienstag gegen die Artland Dragons hofft Zagrebs Trainer Denis Bajramovic nun wenigstens die erkrankten Niksa Prkacin (Center) und Toni Prostran (Spielmacher) wieder fit zu kriegen, um etwas mehr Tiefe in seinen Kader zu bekommen.
Der Sieger dieses direkten Duells zieht auf jeden Fall als Gruppensieger ins Viertelfinale ein, dem Verlierer bleibt immerhin die kleine Hoffnung auf eine gleichzeitige Niederlage des zuletzt etwas schwächelnden Favoriten FMP Zeleznik gegen Lüttich. Sowohl Zagreb als auch die Artland Dragons haben nämlich den direkten Vergleich gegen Zeleznik gewonnen, so dass die Serben schon ihr letztes Spiel gewinnen müssen, um als Gruppenzweiter ins Viertelfinale einzuziehen. Verliert Zeleznik, erreicht auch der Verlierer des Duelles zwischen Zagreb und Quakenbrück noch die nächste Runde.
Dort wartet dann auf die beiden Sieger der Gruppe J das Überkreuzduell mit einem der beiden Sieger aus der Gruppe I. Die BG Göttingen, die sich bereits in der letzten Woche mit ihrem Sieg über Krasnye Krylia Samara den ersten Platz in ihrer Gruppe gesichert haben, treffen dann auf den Zweiten der Gruppe J, die Russen auf den Ersten. Die Göttinger können somit am Dienstag (20 Uhr) ganz entspannt bei den im Hinspiel 89:69 bezwungenen holländischen Eiffel Towers Den Bosch antreten, die selber keine Chance mehr haben, noch die nächste Runde zu erreichen. Auch eine Niederlage in Holland könnte die Göttinger nicht mehr vom ersten Platz verdrängen, die deshalb sicher am Dienstag mit einem Auge auf die Spiele in der Quakenbrücker Gruppe schauen. Theoretisch – bei gleichzeitigen Niederlagen von Zeleznik und den Artland Dragons – könnten die Göttinger im Viertelfinale der EuroChallenge schließlich sogar auf die Artland Dragons treffen. Wahrscheinlicher sind aber Zeleznik oder Zagreb als Gegner.
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