Die Teams im Beko BBL TOP FOUR
Mit „heißem Herzen“ und „kühlem Kopf“
Brose Baskets
Die Endrunde und Bamberg – das ist im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends alles andere als eine Liebes- Beziehung. Lediglich 2006, damals vor heimischem Publikum, stand der Klub, der seinerzeit den Namen GHP Bamberg trug, im BBL TOP FOUR. Ansonsten fand das Vierer- Turnier ohne Bamberger Beteiligung statt. In diesem Jahr unternehmen die Franken nun den zweiten Anlauf, dem bislang einzigen Pokal-Titel, errungen 1992, einen zweiten hinzuzufügen. Selbstvertrauen, das Unterfangen auch Realität werden zu lassen, dürfte der hauchdünne 79:77-Erfolg über ALBA Berlin in der Qualifikationsrunde gegeben haben. Der Pokalsieger des Jahres 2009 galt in dieser Begegnung aufgrund der Resultate in der Meisterschaft als Favorit. Doch das Team von Headcoach Chris Fleming wuchs in diesem „Klassiker der Emotionen“ über sich hinaus – vor allem Nationalmannschafts-Center Tibor Pleiß, 20 Jahre jung, lieferte erneut eine beeindruckende Vorstellung ab: Zwölf Punkte und elf Rebounds, dazu ein eminent wichtiger Block gegen Julius Jenkins 54 Sekunden vor dem Ende beim Stand von 74:72 waren elementare Bausteine für das Erreichen des Beko BBL TOP FOUR. Und in dem möchten die Franken, die 2006 das Endspiel gegen ALBA Berlin mit 73:85 verloren, nachlegen. Neben dem 2,15 Meter großen Schlacks Tibor Pleiß, der seit seinem Wechsel von Köln nach Bamberg eine erstaunliche Entwicklung durchlebt, gehören der NBA- erfahrene Casey Jacobsen und der serbische Allrounder Predrag Suput zu den Korsettstangen im Fleming’schen System – beides Akteure, die auf den Flügelpositionen zum Einsatz kommen. Die Rolle der „Strippenzieher“ kommen John Goldsberry, schon zu Flemings Zeiten bei den Artland Dragons dessen „verlängerter Arm“ auf dem Parkett, und Anton Gavel zu. Das amerikanisch-slowakische Duo teilt sich die Aufgabe, die Kollegen gut in Szene zu setzen. Für einen wertvollen Output an Punkten zeichnet neben Pleiß, Suput und Jacobsen der dritte nominelle Point Guard, Brian Roberts, verantwortlich. Der US-Amerikaner, vor Saisonbeginn aus Israel (Galil Gilboa) gekommen, hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem wichtigen wie verlässlichen Scorer entwickelt. Verlass ist auch auf Karsten Tadda: Der zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehörende Shooting Guard ist der „Energizer“ im Team – immer 100 Prozent Einsatz, immer Vollgas. Überhaupt leben die Brose Baskets von ihren Emotionen, von den „heißen Herzen“, die die Akteure in sich tragen. Mark Worthington, australischer Nationalspieler und jüngste Neu-Erwerbung der Bamberger, gehört ebenfalls in diese Kategorie. Dennoch: Wollen Jacobsen & Co. in Frankfurt den ersten Titel des Jahres 2010 gewinnen, müssen sie bei aller Endorphin-Ausschüttung „kühlen Kopf“ bewahren – ansonsten bleibt es bei nur einem Ein- trag in die Annalen dieses Wettbewerbs.
Den erfolgreichen Stil weiter entwickelt
BG Göttingen
Groß war der Jubel, nachdem die BG Göttingen in der Qualifikationsrunde die EWE Baskets Oldenburg besiegt und damit den erstmaligen Einzug in das Beko BBL TOP FOUR perfekt gemacht hatte. Nach dem hart umkämpften 79:69-Sieg über den Deutschen Meister feierten die Fans den Vater der Göttinger Erfolgsgeschichte, John Patrick, überschwänglich. Verständlich, denn der Chef-Trainer der „Veilchen“, in der vergangenen Saison von den Kollegen seiner Zunft und von Medienvertretern zum „Coach of the Year“ gekürt, ist auf dem besten Weg, das mehr als formidable Resultat aus der Spielzeit 2008/2009, als die Niedersachsen als Aufsteiger souverän die Playoffs erreichten und am Ende des Wettbewerbs auf einem nie für möglich gehaltenen fünften Platz landeten, zu übertreffen. In der Liga liegt der Klub, der in seiner Premieren-Saison in der Beletage vor allem durch seinen gefürchteten „Guard-Terror“ von sich reden machte, erneut auf Playoff-Kurs. Zudem stellten die Patrick-Schützlinge ein- drucksvoll ihre Europatauglichkeit unter Beweis. In der EuroChallenge, dem dritten Wettbewerb nach Euroleague und Eurocup, fegten sie durch Vor- und Zwischenrunde sowie das Viertelfinale, als hätte es keinen Morgen gegeben – und das als Debütant, wohlgemerkt. Und jetzt winkt zudem noch der erste Pokaltitel in der Vereinsgeschichte – Fans und Fachwelt kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Diesen „Tanz auf drei Hochzeiten“ hätten vor Saisonbeginn nicht einmal kühnste Optimisten erwartet – zumal Identifikationsfiguren und Leistungsträger wie Kyle Bailey, Charles Lee oder Rocky Trice den Verlockungen besser dotierter Angebote aus der höchsten deutschen Klasse nicht abgeneigt waren. Doch John Patrick, 42 Jahre alt und fünffacher Familienvater, baute um Top-Rebounder Chris Oliver, Spielmacher-Stratege Ben Jacobson und „Verteidigungs-Minister“ John Little eine neue Mannschaft auf, die den erfolgreichen Stil weiter entwickelte. Zu den neuen Akteuren, die die Vor- gaben des Headcoaches schnell verinnerlichten und nun gewinnbringend umsetzen, gehören Dreier-Spezialist Taylor Rochestie, Forward Dwayne Anderson oder Christopher McNaughton. Der 2,11 Meter große Center mit amerikanischem Namen und deutschem Pass ist, genau wie Robert Kulawick, fester Bestandteil der großen Rotation mit zehn Spielern. Die ist insofern vonnöten, als dass Patrick weiter- hin auf eine intensive und kräftezehrende Ganzfeld-Verteidigung baut. Dadurch soll der Gegner frühzeitig unter Druck gesetzt und Zeit von der Uhr genommen werden. Doch im Gegensatz zur Saison 2008/2009 wird in der Offensive nicht mehr um jeden Preis der schnelle Abschluss gesucht. „Gut ausgewogen“ nennt Patrick das, was seine Crew, die auf den an der Hand verletzten Chester Frazier verzichten muss, in dieser Spielzeit abliefert.
Quintett nährt Hoffnungen auf den zweiten Titel
DEUTSCHE BANK SKYLINERS
2. April 2000. Die OPEL SKYLINERS stehen, zehn Monate nach ihrer Gründung, erstmals im Finale der Pokal-Endrunde. Gegner in der Frankfurter Ballsporthalle ist an diesem Tag ALBA Berlin, Meister und Pokalsieger des Jahres 1999. Nach einem intensiv geführten Spiel gewinnen die Frankfurter mit 76:68 und bescheren dem noch jungen Klub den ersten und bislang einzigen Pokal-Triumph in der Klub-Historie. Pascal Roller, damals 23 Jahre alt, erzielt für seinen Arbeitgeber zwölf Punkte. Zehn Jahre später unternehmen die nunmehr unter dem Namen DEUTSCHE BANK SKYLINERS firmierenden „Mainhattan-Giganten“ den nächsten Anlauf in Richtung Cup- Gewinn. Nach zuvor fünf erfolg- losen Versuchen, zuletzt sprang 2009 in Hamburg ein dritter Platz heraus, soll’s diesmal klappen mit dem Pokalsieg – noch dazu vor heimischer Kulisse. Es wäre das passende Geschenk zum „Zehnjährigen“. Pascal Roller, mittlerweile 33 Jahre alt und längst der Franchise-Player des Vereins, kommt in den Bemühungen, die begehrte Trophäe erneut in den Händen halten zu dürfen, eine Schlüsselrolle zu. War er vor zehn Jahren noch ein überaus talentierter und extrem schneller Rookie, so besticht der nur 1,80 Meter große Spielmacher nun durch seine Routine und seine Abgeklärtheit gerade in kritischen Situationen – und das, obwohl sich seine Rolle in dieser Saison geändert hat. War Roller in den vergangenen Jahren derjenige, der die längste Zeit auf dem Parkett verbringen durfte, so bekommt er in dieser Spiel- zeit deutlich mehr Pausen. Der Grund für diese taktische Umstellung im System von Headcoach Murat Didin heißt Aubrey Reese: Der 31 Jahre alte Point Guard aus den Vereinigten Staaten, der vor Saisonbeginn vom türkischen Klub Aliaga Petkim nach Frankfurt gewechselt war, ist Didins neuer „Einser“ – was Rollers Rolle dahin gehend verändert hat, als dass der ehemalige Nationalspieler nun vermehrt auf der Position zwei zum Einsatz kommt und somit häufiger denn je seine Qualitäten von jenseits der 6,25-Meter-Linie gefragt sind. Und das erfahrene Führungs-Duo Reese/Roller macht seinem sportlichen Chef in der Tat Freude: Während Reese als Scorer und ausgewiesener Vorlagengeber in Erscheinung tritt, hat sich Rollers Dreierquote auf einem sehr beachtlichen Niveau eingependelt. Angesichts dieser Kombination traf die Frankfurter der Ausfall von Reese umso nachhaltiger: Der US-Amerikaner musste sich im Februar einer Meniskus-Operation unterziehen und fiel längere Zeit aus. Obwohl mit Anthony Fisher und Drew Gibson, der mittlerweile nicht mehr zum Kader gehört, umgehend zwei neue Point Guards verpflichtet wurden, lastete wieder mehr Spielzeit und Verantwortung auf Rollers Schultern. Nur gut, dass unter dem Korb auf zwei weitere Routiniers Verlass ist: Derrick Allen (29 Jahre), der seine dritte Saison bei den Hessen absolviert, und Liga-Debütant Seth Doliboa (29 Jahre) sind auf den großen Positionen das Pendant zu Reese und Roller – ebenfalls erfahren und zuverlässig. Unterstützung erhält das Duo seit März durch den Serben Dragan Labovic. Der neue Power Forward, 2,07 Meter groß und aus Saloniki gekommen, erweitert die Riege der „kleinen Großen“ und ist eine weitere Option in direkter Korbnähe. Dank dieses Quintetts dürfen die Frankfurter Fans auf die Wiederholung des Pokal-Triumphs aus dem Jahr 2000 hoffen.
Mit Routiniers anstelle von Rookies wieder auf Erfolgskurs
Eisbären Bremerhaven
9. Mai 2009: Die Eisbären Bremerhaven gewinnen ihr letztes Spiel der Hauptrunde mit 94:86 gegen TBB Trier. Es ist der siebte Sieg im 34. Spiel – zu wenig, um weiter der Beletage anzugehören. Die Nordseestädter müssen, fünf Jahre nach ihrem Aufstieg, zurück in die Zweitklassigkeit. Der sportliche Abstieg schmerzt die Verantwortlichen – zumal alle Maß- nahmen, den „Betriebsunfall“ zu verhindern, wie es Manager Jan Rathjen später formulieren sollte, wirkungslos verpufften. Zunächst wurden Teile des spielenden Personals ausgetauscht – ohne Erfolg. Dann folgte die Trennung von der Bremerhavener Trainer-Institution Sarunas Sakalauskas – ebenfalls ohne den gewünschten Effekt. Bremerhaven, das in seiner Liga-Zugehörigkeit dreimal die Playoffs erreicht hatte, landete am Ende der Saison 2008/2009 auf dem letzten Platz in Liga eins. Doch der Gang in die ProA bleibt dem Aushängeschild der Stadt erspart. Eine Wildcard, die aufgrund des Rückzugs von RheinEnergie Köln vergeben werden konnte, bewahrt die Eis- bären vor dem Neustart eine Klasse tiefer. Als Folge der „Seuchen-Saison“ (Rathjen) stellen der Manager und dessen neuer Chef-Coach Douglas Spradley, er hatte Liga-Konkurrent Paderborn Baskets zuvor sensationell in die Playoffs geführt, eine komplett neue Mannschaft zusammen. Einzig Jan Lipke verbleibt im Kader. Der Rest, überwiegend junge US- amerikanische Spieler, wird durch Routiniers ersetzt. Ein Strategie-Wechsel, der sich bezahlt macht. Die Eisbären, im Gegensatz zur vergangenen Spielzeit deutlich reifer und robuster, zeigen sich bissiger denn je und liegen im April 2010 auf Playoff-Kurs – und das ohne ihren Topscorer Rodney Buford. Der ehemalige NBA- Akteur, bekannt für seine Unberechenbarkeit auch abseits des Parketts, ist bis Ende 2009 der „Leitwolf“ des Teams. Doch nach einem genehmigten Kurz-Trip in die Vereinigten Staaten kehrt der Shooting Guard nicht nach Bremerhaven zurück. Daraufhin entschließt sich die sportliche Führung im Januar dieses Jahres, sich von Buford zu trennen. Obwohl fortan 17,5 Punkte pro Partie fehlen und manch andere Mannschaft ob solch eines Verlustes aus der Balance geraten würde, bleiben die Spradley-Schützlinge in der Erfolgsspur. Nicht zuletzt dank des „Doppel-Punches“ in Gestalt von Jeff Gibbs und Lou Campbell. Während letzterer nicht nur umsichtig Regie führt, sondern darüber hinaus als Vollstrecker und als bester Vorlagengeber der Liga glänzt, besticht Gibbs, vor der Saison aus Ulm an die Küste gewechselt, durch seinen unermüdlichen Einsatz unter dem Korb. Trotz seiner „nur“ 1,88 Meter Länge ist das Power-Paket der Top-Rebounder in der Beko BBL. Nicht umsonst nennen ihn Kollegen und Fans „Mr. Incredible“. Seit Januar trägt zudem noch Andrew Drevo das Eisbären-Trikot. Die bisherigen Auftritte des energiegeladenen Power Forwards haben den Verlust von Buford längst vergessen gemacht. „Bremerhaven reloaded“ ist auf dem besten Weg, an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Insofern wäre es keine Überraschung, sollten Gibbs, Campbell, Drevo & Co. in Frankfurt die Erfolgsgeschichte fortschreiben.
Brose Baskets
Den erfolgreichen Stil weiter entwickelt
BG Göttingen
Quintett nährt Hoffnungen auf den zweiten Titel
DEUTSCHE BANK SKYLINERS
Mit Routiniers anstelle von Rookies wieder auf Erfolgskurs
Eisbären Bremerhaven
