FB Twitter Instagram YouTube Google+
BIG - Basketball in Deutschland
„Für so einen Bart braucht man Durchhaltevermögen“ - Bayreuths Kapitän Bastian Doreth im BIG-Interview © Marcus Förster

„Für so einen Bart braucht man Durchhaltevermögen“ - Bayreuths Kapitän Bastian Doreth im BIG-Interview

— Interview: Jan Finken

Bastian Doreth hat sich in wenigen Monaten als Identifikationsfigur bei medi bayreuth etabliert. Der Kapitän hat als Starter auf der Eins eine deutlich größere Verantwortung als zuletzt in Quakenbrück. Über den Unterschied, nicht mehr von der Bank zu kommen, über die Gründe seines Wechsels und über seinen Bart spricht der 26-Jährige im großen BIG-Interview.

Reporter beim Nationalteam

Bastian, als wir diesen Interview-Termin vereinbart haben, fiel mir dein Whatsapp-Status auf: „Verfechter der Freiheit“ steht da hinter deinem Namen. Klär uns auf, was dahintersteckt.

Bastian Doreth: Eigentlich nichts Tiefgründiges. (lacht) Ich habe vor kurzem eine Dokumentation über Gunter Sachs gesehen, der sich aufgrund seiner Alzheimer-Erkrankung vor fünf Jahren das Leben genommen hat. In dieser Doku kam der Begriff „Verfechter der Freiheit“ vor; ich fand’s cool und hab es einfach übernommen. Ist jetzt aber nicht so, als wäre das mein neues Lebensmotto. (lacht)

Du bist erst seit dem Sommer in Bayreuth, scheinst aber schon ein Standing zu haben, als wärst du seit Urzeiten beim Klub. Wie erklärst du dir deine Popularität?

Schwer zu sagen. Die Leute scheinen mich zu mögen und sehen mich schon als Identifikationsfigur. Ich glaube, ich passe hier einfach gut in das Umfeld hinein - schließlich bin ich ja selbst auch gebürtiger Franke. Ich bin ein offener Typ und gehe auf die Menschen zu; das habe ich auch schon bei meinen früheren Stationen in München, Trier und Quakenbrück getan. Ich glaube, dass die Fans den Kontakt zum Team in der letzten schwierigen Saison ein wenig vermisst haben, umso dankbarer sind sie nun, dass das in dieser Saison anders ist. Als deutscher Spieler und Kapitän sehe ich mich da auch in der Pflicht, als Bindeglied zum Umfeld zu fungieren. Aber wie gerade erwähnt, fällt mir das aufgrund meines Naturells sowieso nicht schwer.

Besonders glücklich darüber, dass du bleibst, dürfte dein persönlicher Fanklub sein. Für sie scheinst du auch modisches Vorbild zu sein, manche Fans tragen den gleichen Bart wie du. Wie lange hast du den Bart schon?

Ich fand damals in Quakenbrück unsere Playoff-Bärte, die wir uns als Team haben wachsen lassen, schon ganz geil. Im Sommer habe ich dann entschieden, ihn wieder wachsen zu lassen, und habe ihn inzwischen lieb gewonnen. (grinst) Man braucht Durchhaltevermögen, denn die Übergangszeit sieht nicht so sexy aus, aber wenn er, so wie jetzt, die richtige Länge hat, fühle ich mich richtig wohl damit. Ich gefalle mir mit Haaren im Gesicht sowieso besser als ohne, und meine Freundin findet den Bart auch sehr gut – anderenfalls müsste ich mir das wohl noch einmal überlegen. (lacht) Inzwischen ist die Bartpflege ein schönes Ritual: kämmen, einölen, regelmäßig zum Barbier gehen und so weiter. Wer sich so etwas zulegt, dem muss bewusst sein, dass es auch ganz schön aufwendig ist. (grinst)

Mit deiner Fliege und deinem Hut gehst du glatt als Hipster durch.

Puh, mit diesem Begriff kann ich nicht viel anfangen. Ich trage den Bart, weil es mir gefällt und nicht weil ich irgendeinem Trend hinterherhechle. Und ja, es stimmt, zu bestimmten Anlässen kleide ich mich gerne etwas unkonventionell. Bart, Fliege und Hut passen da meiner Meinung nach ganz gut zusammen. Wir Sportler tragen schon oft genug Jogginghose und Hoodie, da macht es Spaß, sich zur Abwechslung mal herauszuputzen.

"Inzwischen ist die Bartpflege ein schönes Ritual: kämmen, einölen, regelmäßig zum Barbier gehen …"

Kommen wir zum Sportlichen. Du bist neu im Verein, trägst aber schon die imaginäre Kapitänsbinde. Bist du gewählt oder von Coach Mike Koch bestimmt worden?

Mike kam am Ende der Vorbereitung zu mir und hat mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen will. Er meinte, ich sei in seinen Augen genau der Richtige für dieses Amt, und ich musste nicht lange überlegen. Ich sehe mich hier in Bayreuth als Führungsspieler und habe daher auch kein Problem damit, Kapitän des Teams zu sein.

Wie interpretierst du diese Rolle? Du bist ja nicht gerade als Leisetreter bekannt.

Ich sage halt immer offen und ehrlich meine Meinung und habe keine Angst, im Fokus zu stehen, wenn es sportlich nicht läuft. Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen Mannschaft, Coach und dem Umfeld, speziell zu den Fans.

Du stehst über 26 Minuten pro Spiel auf dem Feld. Bist du zufrieden mit deiner persönlichen Bilanz?

Am Anfang der Saison bin ich noch von der Bank gekommen, habe aber trotzdem 20 Minuten pro Spiel bekommen. Inzwischen bin ich Starter und dafür verantwortlich, das Spiel zu leiten. Auch wenn beides seinen Reiz hat, macht es Spaß, von Beginn an auf dem Feld zu stehen. Gerade als Point Guard ist es schwieriger, ins Spiel zu finden, wenn man anfangs draußen gesessen hat. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Bedeutung von Rollenspielern immer noch unterschätzt wird. Wenn man nach ein paar Minuten ins Spiel kommt, muss man sofort abliefern und das nehmen, was kommt. Wenn’s gut läuft, bekommst du 18 Minuten, läuft es schlecht, vielleicht zehn. Einer, der weiß, dass er sowieso 30 Minuten auf dem Feld steht, kann das Spiel viel mehr auf sich zukommen lassen und sich eher einen Fehler erlauben.

Schauen wir auf deine Nationalmannschafts-Karriere. 2012 bist du von Svetislav Pesic erstmals für die A-Nationalmannschaft berufen worden. Inzwischen hast du 53 Länderspiele auf dem Buckel, an der EM 2013 teilgenommen. Vergangenen Sommer bis du dann in der Vorbereitung auf die Heim-EM von Chris Fleming mit Konstantin Klein als Erster gecuttet worden.

Das war für mich keine große Überraschung. Mir oder uns war klar, dass Dennis Schröder gesetzt ist, dazu kam noch die Einbürgerung von Anton Gavel. Mir hat die Zeit bei der Nationalmannschaft immer Spaß gemacht, und ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich bin aber auch realistisch genug, um einzuschätzen, dass eine weitere Einladung in weiter Ferne liegt. Es gibt Dennis, Anton, Maodo Lo, Per Günther, Konsti Klein, in Berlin reift mit Ismet Akpinar ein weiterer guter Point Guard heran … für mich, der mit dem Klub nicht international spielt, wird es da schwer.

Blicken wir mal 20 Jahre voraus: Was macht Bastian Doreth im Jahr 2036?

Da bin ich 46 Jahre alt, spiele in einer Altherren-Mannschaft und trinke nach dem Training ein gepflegtes fränkisches Bier. (lacht) Ich glaube, dass ich dem Sport erhalten bleiben werde, vielleicht als Trainer im Jugendbereich. Ich würde meine Erfahrungen gern an die nächsten Generationen weitergeben.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es ab sofort im Handel gibt!
Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten!

 

Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Inhalt BIG #51
15 Forderungen an unseren Basketball - Was sich ändern muss, um die Sportart in Deutschland groß zu machen
Brose Baskets - Die Brose Baskets sind aktuell das beste Team der Beko BBL. Sind sie sogar die beste Bamberger Mannschaft aller Zeiten? Eine BIG-Analyse mit einem detaillierten Blick in den Zahlenwald
Nihad Djedovic - Nach seiner Verletzung beim Pokal-Halbfinale will der Bayern-Star schnellstmöglich sein Comeback feiern. Ist er zu den Playoffs wieder fit?
Sasa Obradovic - Der Alba-Trainer spricht im BIG-Interview über Schwierigkeiten beim Neu-Aufbau und den überraschenden Pokalsieg der Berliner
Douglas Spradley - Wie der Würzburger Coach den BBL-Aufsteiger formte und sein Team nun in die Playoffs führen will
Ratiopharm Ulm - Nach dem großen Umbruch in der Offseason legten die Spatzen einen mäßigen Saisonstart hin. Danach folgte eine Siegesserie, welche die Ulmer wieder auf einen Playoff-Platz spülte. Doch wie kam es dazu? Eine BIG-Analyse
Mathias Fischer - Im Interview sprach BIG mit dem Bonner Ex-Trainer über seine Entlassung, mögliche Fehler und die Zukunft der Bonner
Ranking: Power Forwards - Die 20 stärksten Vierer der Liga in der BIG-Rangliste
Konrad Wysocki - Ein BIG-Gespräch über die Profikarriere des Crailsheimer Flügelspielers, welche es um ein Haar nicht gegeben hätte
Bastian Doreth - BIG traf den Nationalspieler zum Interview. Ein Gespräch über seine emotionale Bindung zu Medi Bayreuth und die Bedeutung eines Rollenspielers
Dominik Spohr - Der Göttinger Flügelspieler kann mehr, als nur an der Dreipunktelinie zu stehen. Doch davon musste er seinen Coach erst überzeugen
Ex-BBL-Spieler in der NBA - Welche ehemaligen internationalen Bundesligaspieler haben den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft? BIG liefert einen Überblick
Jan Vesely - Der tschechische Ex-NBA-Spieler über die Euphorie, welche in einem Land durch eine starke EM ausgelöst werden kann
Gladiators Trier - Nach der Insolvenz und dem Abstieg aus der BBL kämpft der Traditionsstandort um die Gunst der Zuschauer. BIG sprach mit Manager Michael Lang über Probleme und Perspektiven
Ehingen - Die Urspringschule pflegt einen Kontakt mit amerikanischen Hochschulen und vermittelt einige ihrer Absolventen in die USA. Doch lohnt sich der Sprung über den großen Teich für deutsche Talente überhaupt?
Herner TC - Der Klub von Nationalspielerin Sonja Greinacher startet mit großen Ambitionen ins DBBL Top Four. Mit deutschen Spielerinnen soll der Triumph gegen Favorit Wasserburg gelingen

comments powered by Disqus
BEKO Hausgeräte Telekom btty Spalding Kinder plus Sport